Offener Brief an Dr. Georg Bätzing

Missbrauch durch Salesianer Don Bosco

Sehr geehrter Dr. Bätzing,

Ich wende mich heute mit einem offenen Brief an Sie, dass die Situation für uns Opfer der Salesianer Don Bosco immer unerträglicher wird. Aus Gründen der Ignoranz des Ordens hatten wir Anfang April 2021 die Seite https://missbrauch-durch-Salesianer.de gegründet und mittlerweile mit etlichen Opfern eine Vernetzung sichergestellt. Unter anderem kommunizieren wir auch mit anderen Betroffenen Organisationen, allen voran mit dem eckigen Tisch, der uns in dieser schweren Zeit immer wieder zur Seite gestanden hat und uns nützliche Tipps gab, mit denen sich alle Opfer immer wieder an den Orden der Salesianer richtete.

Es ist Ihnen ja sicher bekannt, dass die Orden aus welchen Gründen auch immer, sich nicht an der neuen erweiterten Anerkennung des Leids Beschlusses anschließt und für die Opfer auch keinerlei Information darüber bereithält. Immer wieder versuchen Opfer dieses Ordens mit Anfragen oder Briefen den Stand der Dinge in Erfahrung zu bringen. Doch der Orden schweigt und bearbeitet derzeit Erstanträge auf einem nicht nachvollziehbaren Niveau, ohne wirklich akkreditierte Gutachter. Auf der Seite des Ordens wird davon gesprochen, dass man der alten Form zur Anerkennung folgt, was aber allein schon durch die Auflösung des ZKS nicht korrekt ist.

Ob und wie man den neuen Beschlüssen folgt muss entschieden werden.

Nun, dieser Satz lässt schon erahnen, das man daran nicht im geringsten interessiert scheint.

Die Opfer erhalten, wenn überhaupt nur Post, in der die Termine zur Entscheidungsfindung permanent immer weiter verschoben werden. Wir Opfer fühlen uns komplett als Opfer zweiter Klasse und im Stich gelassen. Anbei (als Anlage) stelle ich Ihnen ein Anschreiben an Herrn Jochimsen, seinerseits Missbrauchsbeauftragter des Ordens zur Verfügung, welches bis heute unbeantwortet blieb.

Auch die Anfrage auf den von den Bistümern zur Verfügung gestellten Fond blieb unbeantwortet und wir gewannen dadurch den Eindruck, dass diese Möglichkeit am unabhängigen Verfahren zur Anerkennung des Leids durch unabhängige Gutachter für uns ebenfalls unerreichbar bleibt.

Auf Anfragen wird nicht reagiert und bei weiteren Anfragen an die DBK und anderen Institutionen erhielten die Opfer sinngemäß folgende Informationen: Der Fond ist da, kann aber von den Opfern nicht für die  Bearbeitung abgerufen werden, solang der Orden nicht dem neuen Verfahren folgt und auf der anderen Seite unternimmt der Orden nichts, um den Opfern in irgendeiner Weise Rede und Antwort zu stehen, warum dieses Hilfsangebot der Fond Bereitstellung nicht vom Orden angewendet wird.

Wir Opfer stehen also dazwischen, während der Orden derzeitige Erstanträge unseriös abarbeitet, die kein unabhängiger Gutachter je zu Gesicht bekam. Wir Opfer wären ja auch bereit uns in Geduld zu üben und eine angemessene Wartezeit zu ertragen, wenn zumindest eine Aussage vom Orden käme, die uns irgendeinen Aufschluss darüber gibt, dass diese Thematik abgearbeitet wird. Wir Opfer verlieren immer mehr das Vertrauen, wenn wir nur hören, dass niemand sich für “zuständig” hält.

Während in den Bistümern endlich eine Regelung gefunden wurde, mit der auch wir Opfer des Ordens einverstanden wären, werden wir weiterhin ignoriert und teilweise wie lästige Schmarotzer abgehandelt. Erst ein Opfer berichtete mir in der letzten Woche, dass man eher verschnupft und empört am Telefon reagiert hatte, weil Opfer es gewagt hatten, einen Zweitantrag zu stellen, der die eigentliche ursprüngliche Ungerechtigkeit des ersten Beschlusses korrigiert. Auf unserer Seite haben wir nur einige der brutalen Übergriffe öffentlich dokumentiert und selbst mir wurde schlecht, als ich einige Berichte, die täglich bei uns eingehen, lesen musste.

Für uns wird nur ersichtlich, dass der Orden sich nicht für zuständig hält und wir Opfer fühlen uns aufs Neue verhöhnt und missbraucht bei dieser Behandlung. Wir verstehen auch nicht, warum es hier dem Orden gestattet wird, in dieser Art mit den Opfern zu verfahren und auch keinerlei zeitliche Abläufe gibt, in denen der Orden auch in der Öffentlichkeit eine Entscheidung bekannt geben muss.

Auch ist die Frage, warum Opfer nicht ihre Anträge zumindest erst einmal an die unabhängige Kommission senden darf, bis es eine Entscheidung zur Verwendung Ihres Fonds gibt. Wir selber denken, dass hier eine Systematik dahintersteckt, so dass der Orden sich am Ende auf Kosten der Opfer freihalten kann. Wenn Sie nur die wenigen veröffentlichten Berichte auf unserer Seite ansehen, dann entsteht die Frage – wie kann es sein, dass wir Opfer das alles immer wieder ertragen sollen.

Hier entwickelt sich eigentlich ein neuer Skandal, wie mit Opfern durch diesen Orden verfahren wird. Wir haben sicherlich Verständnis dafür, das manche Dinge Zeit benötigen, aber aus der Verweigerung einer gesunden Kommunikation mit den Opfern kann hier kein Vertrauen auf eine gerechte Bewältigung dieser Fälle entstehen.

Beinahe täglich telefoniere ich mit Opfern und Menschen, die sich verloren fühlen und nehme dabei ehrenamtlich eine Tätigkeit wahr, die normalerweise vom Orden durchgeführt werden sollte. Doch hier bildet sich weder eine Zusammenarbeit mit den Opfern, noch werden Opfer überhaupt in irgendwelche Gespräche einbezogen. Lediglich einmal wurde vom Missbrauchsbeauftragten an eines der am schlimmsten gezeichneten Opfer eine E-Mail versendet, dem man ein Gespräch in Aussicht stellte, wenn man dafür im Gegenzug die eigene Geschichte „außen vor“ lassen würde.

Wie soll das funktionieren, denn durch die Opfer und den Missbrauch ist diese Thematik überhaupt erst entstanden. Auch wurde dem Opfer vorgeworfen, das es sich gegenüber der Öffentlichkeit äußerte und auf diesen Zustand aufmerksam machte. Die schlechte Kommunikation wurde darauf begründet, dass man ja aufpassen müsse, was man schreibt, wenn das Opfer dies öffentlich macht.

Das allein ist schon sehr skandalös und natürlich ist es klar, dass solche Dinge von den Opfern nicht zur Illustration für positive Berichterstattung auf den Seiten und Pressemeldungen des Ordens dienen kann. Die Misshandlungen und der Missbrauch und die Brutalität, mit der dieser Orden seinerzeit die Kinder und Jugendlichen behandelt hat, lässt eher an Kriegsverbrechen erinnern, als an Erziehung von Kindern.

Was wir möchten ist eine Gleichbehandlung mit den anderen Opfern durch eine unabhängige Kommission, die Sie derzeit auch bei allen Opfern des Bistums anwenden. Halten Sie das für überzogen oder ungerecht? Wir sind keine Opfer zweiter Wahl und die Dinge, die seinerzeit in den Einrichtungen dieses Ordens vor sich gingen, sind an Brutalität und Menschenverachtung nicht zu überbieten und dennoch geht der Orden mit uns Opfern um, als wenn wir unsachliche Forderungen haben oder es nicht wert sind, den Umständen entsprechend wie menschliche Wesen behandelt zu werden.

Allein die Art und Weise, wie die Missbrauchsbeauftragten mit uns umgehen und dass es keine Antworten gibt, außer das man immer noch mehr Zeit bräuchte um sich zu überlegen, ob man einer gerechten Anerkennung folgen möchte, entbehrt jeglicher Worte. Wir werden mit dieser Ohnmacht nun schon lange genug alleine gelassen und wir sehen keinerlei Güte oder Anteilnahme außer dem Spott, dass der Orden tun und lassen kann, was er möchte. Mit dieser Einstellung wurden wir auch seinerzeit zu Opfern. Wo ist Gott hier und wo die Gerechtigkeit und Anteilnahme dieser Institution?

Ich habe Leute sterben sehen, die damit nicht klargekommen sind und erlebe beinahe täglich wie sehr diese traumatischen Bedingungen auf die Opfer immer wieder nachwirken. Es ist ein haltloser Zustand, wie in einem Vakuum, aus dem kein Opfer entrinnen kann.

Wir bitten Sie hiermit ausdrücklich um Ihre Hilfe und auf ein Einwirken – das dieser Orden endlich den unmenschlichen und haltlosen Zustand beendet und seine Mühen auf die Opfer konzentriert und nicht länger nur auf Interviews, in denen die Öffentlichkeit getäuscht wird über die tatsächlichen Maßnahmen, die der Orden derzeit vollzieht. Wenn dieser Orden nur 20% seiner Aktivität des Verschleppens und Negierens den Opfern widmen würde, dann könnte man glauben, dass es dieser Einrichtung ernst ist, den Opfern zu helfen und begangenes Unrecht zu heilen.

Lesen Sie sich die Einzel-Schicksale auf unserer Seite durch und erkennen Sie, dass hier das organisierte Böse stattgefunden hat und hinterfragen Sie bitte auch, ob der Orden so mit seinen zurück gelassenen Opfern umgehen darf.

 

Ich hoffe sehr, bald von Ihnen zu hören und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen