Kommunikation mit dem Orden

Lieber Besucher, liebe Betroffene,

leider lässt die Kommunikation mit dem Orden in jeglicher Hinsicht zu wünschen übrig und Betroffene erhalten entweder Aussagen vom “Warten auf Godot” bis hin zu einer unerträglichen Stille, da keinerlei Antwort erfolgt. Darum haben wir beschlossen, mit dem heutigen Tage – sämtlichen Schriftverkehr und Anfragen an den Orden zu veröffentlichen, ebenso deren Antworten – wenn dann mal eine erfolgen sollte. Die Ignoranz ist weiterhin unbeschreiblich und verstörend.

 

Deshalb keine lange Rede und kurzer Sinn…

Wir beginnen mit einem ersten öffentlichen Anschreiben, das heute auch an den Missbrauchsbeauftragten Herrn Joachimsen via Email und Einschreiben versandt wurde.

Original Text des Anschreibens an den Orden vom 09.04.2012


Dr. Janko Joachimsen
Seestr.131
13353 Berlin

Sehr geehrter Dr. Joachimsen

Bezugnehmend auf das zurück liegende Antwortschreiben von Ihnen, möchte ich mich erneut in Erinnerung bringen, da Sie bisher auf keine meiner Emails geantwortet haben.

In Ihrem Schreiben haben Sie das späte Frühjahr 2021 deklariert, welches ja nun da ist und wollte bezugnehmend auf Ihr Schreiben fragen, in wie weit nun Ihre Entscheidungsfindung verlaufen ist, bzw. wann nun endlich damit zu rechnen ist – Informationen zu erhalten, wie es insgesamt weiter geht.

Wie den Nachrichten der Bistümer zu entnehmen ist, werden Orden im erweiterten Anerkennungsverfahren unterstützt durch einen gemeinsamen Fond, damit die Orden im erweiterten Verfahren den Opfern eine angemessene Anerkennung des Leids finanzieren kann. Somit bin ich etwas erstaunt, das Sie nach wie vor keinerlei Stellungnahme bisher veröffentlicht haben, oder den Opfern Informationen zukommen lassen, damit wir nun mal wissen, woran wir sind.

Soweit ich informiert bin, werden derzeit weiterhin Erstanträge von Ihnen durch eigene nicht bekannte „unabhängige“ Gutachter – Entscheidungen getroffen. Sie werden sicher verstehen, dass ich gern in meinem Fall eine unabhängige Kommission in Anspruch nehmen möchte, da ich der Meinung bin, dass wir Opfer hier alle verschiedentlich behandelt werden. Durch unsere Seite „Missbrauch-durch-Salesianer.de“ haben wir von einigen Opfern ganz unterschiedliche Varianten in Erfahrung gebracht, die nicht im Einklang Ihrer ursprünglichen Aussage stehen und somit deutlich eine sehr ungerechte und abweichende Anerkennungspraxis erkennen lassen. Wir gewinnen hier den Eindruck, dass auch Ihre selbst eingesetzten Gutachter willkürlich eine Entscheidung treffen auf einer nicht nachvollziehbaren Grundlage, deren Aufgabe darin zu bestehen scheint, das eine gewisse Betragshöhe nicht überschritten werden soll (wobei Opfer hier wohl völlig unterschiedliche Hintergründe und Größenordnungen in Bezug auf Misshandlungen aufweisen).

Wir Opfer sind sehr daran interessiert, dass alle gleichbehandelt werden und durch wirkliche unabhängige Gutachter (Fachkräfte), die ja dafür speziell eingesetzt wurden – eine gerechte Praxis der Anerkennung entsteht.

Sie schrieben ferner, dass in Ihrem Hause die Meinungen dazu auseinander gehen, was die Verantwortung für eine Vorgehensweise beinhaltet, wie sie von der Bischofskonferenz beschlossen wurde. Es wurden auch Stimmen laut, die behaupten, dass Ihr Orden sich nicht für Fehler der Vergangenheit verantwortlich fühlt. Der Orden hatte die damaligen Opfer ja nicht gratis beherbergt und diese haben doch zu einem guten Teil zum Wohlstand Ihres Ordens beigetragen. Abgesehen von den schrecklichen Ereignissen, in denen die Kinder seinerzeit leben mussten. Ich darf vielleicht noch mal daran erinnern, das hier diabolisch vergewaltigt, geschlagen und misshandelt wurde in einem exorbitant hohen Grad. Vielleicht sollten das Ihre Ordensmitglieder berücksichtigen, bevor Sie Panik um Ihren Wohlstand bekommen.

Während sich die Opfer seinerzeit für perverse Lustspiele und zur Zerstreuung Ihrer Ordensbrüder zur Verfügung zu stellen hatten, hat uns Opfer auch niemand gefragt, ob wir diese Qual als „angemessen“ sehen würden. Allein die gesamte Aufarbeitungs-Praxis, mit der derzeit die Opfer zwangsweise „behandelt“ werden, ist einfach nur kalt und im höchsten Maße entsetzlich.

Keiner kennt Ihre Gutachter für den sogenannten Erstantrag und die gesamte Situation ist für Opfer und Öffentlichkeit mehr als intransparent.  Einige Opfer fühlen sich von Ihnen umgangssprachlich „ab gelinkt“, was ich in gewisser Hinsicht auch verstehen und nachvollziehen kann.

Ich würde Sie daher bitten, nunmehr dafür zu sorgen, dass unsere Anträge an die richtige unabhängige Kommission weitergeleitet werden, damit die Aufarbeitung für die Opfer nunmehr zu einem ehrlichen und für die Opfer erträglichen Ende kommt. Unser Unverständnis nimmt in Hinsicht auf dem von den Bistümern bereit gestellten Fond für Orden, von dem Sie offenbar keinen Gebrauch machen möchten, nur noch zu.

Ihre Vorgehensweise lässt vermuten, dass Sie derzeit nicht das geringste Interesse an einer Lösung haben und eher darauf zu arbeiten, das Sie am Ende Ihrer Aktion sagen können, dass Sie ja alle entschädigt haben (Nach Ihrer Sicht auf die Dinge). Im Namen der Opfer, mit denen wir zu tun haben, möchten wir in aller Form gegen diese Verfahrensweise protestieren und erkennen vorsorglich Ihre derzeitige Praxis auch nicht an, da Sie lediglich darauf abzielt, dass der Orden eine für sich selbst ungerechte eigennützige Möglichkeit abarbeitet, die nichts mit einer unabhängigen Kommission zu tun hat, selbst wenn Sie hier in der Öffentlichkeit der ganzen Situation einen eigenen Anstrich verleihen möchten. Vielleicht würde hier die Wahrheit helfen, in der ein Wille zu realistischen Anerkennungszahlungen einfach nicht vorhanden ist.

Ich darf in diesem Fall auch noch mal aufmerksam darauf machen, dass die Opfer nach wie vor in keine Ihrer Überlegungen mit einbezogen wurden. Sie arbeiten hier mit dem vergleichsweise gleichen Zwang und der gleichen Gleichgültigkeit, mit dem seinerzeit die Opfer vergewaltigt, entwürdigt und misshandelt wurden. Sie zwingen den Opfern lediglich Ihre Sicht einer Verfahrensweise auf und betrachten diese dabei als gerechte Handlungsweise, da diese ja keine störenden Einflüsse der Opfer beinhaltet.

Woran liegt es? Interne Entscheidungsfindung kann hier nicht mehr der Grund sein, denn Sie hatten alle Zeit der Welt sich der Öffentlichkeit und speziell den Opfern zu erklären. Das Sie auf keines der Schreiben der Opfer wirklich reagieren ist auch keine Art und Weise, diese Angelegenheit zu klären.

 

Ich darf nochmal zusammenfassen:

  • Ich und die Opfer, die sich uns anvertraut haben, wünschen sich nunmehr die Weiterleitung unserer Anträge an die echte unabhängige Kommission und damit auch endlich die Teilnahme Ihres Ordens an der aktuell gültigen Regelung für die Anerkennung des Leids – die ja extra aus dem Grund erweitert wurde, da die davor getätigte Praxis sich als würdelos und nicht angemessen gezeigt hat. Nur aus diesem Grund wurde in Hinsicht auf die Opfer diese Regelung getroffen und stellt für uns Opfer eine echte Anerkennung dar, mit der beinahe alle Opfer ohne Einschränkung zufrieden wären.
  • Fordere ich mit diesem Schreiben nochmals meine Heim Akte in Kopie an. Ich würde hierzu ungern einen Anwalt bemühen, um meiner Anfrage Nachdruck zu verleihen. Ich gehe aber davon aus, dass Sie bisher wohl nicht die Zeit hatten, auf meine E-Mail diesbezüglich zu reagieren oder es in Vergessenheit geraten ist.
  • Würde ich es begrüßen, wenn Ihr Orden nunmehr eine bessere Transparenz in die Angelegenheit bringt.
  • Teile ich Ihnen mit, dass wir mit einigen Opfern nunmehr eine Seite zur Kontaktaufnahme für Opfer im Internet zur Verfügung stellen und mit einer detaillierten Aufarbeitung einiger Fälle begonnen haben. Sie finden diese Seite ab sofort unter „ https://missbrauch-durch-salesianer.de „

Selbstverständlich stehen wir Ihnen hier bei Fragen zur Verfügung.

Weiterhin wurde in Zusammenhang mit dem eckigen Tisch (Herr Matthias Katsch), eine engere Zusammenarbeit und Nachrichtenübermittlung vereinbart, um Falschinformationen vorzubeugen und insbesondere die tatsächlichen Aktivitäten des Ordens mit Betroffenen zu dokumentieren. In diesem Sinne ist hier gemeint, in wie weit Ihr Orden überhaupt mit den Opfern arbeitet, um diese Thematik aufzuarbeiten.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, das wir möglichst transparent mit unserem Anliegen sein möchten und daher von Anfang an Dinge öffentlich (auch auf unserer Webseite) behandeln werden, um den Nachweis einer ehrlichen Kommunikation zwischen uns (den Opfern) und Ihnen (dem Orden) zu belegen. Wir betrachten sämtliche Dinge, die zu einer Aufklärung des Missbrauchs führen können und zu einer besseren Situation für die Opfer – als öffentlich, da auch wir die Öffentlichkeit einbeziehen und unser Anliegen generell von öffentlichem Interesse ist.

Gern veröffentlichen wir auf unserer Seite auch Ihre Stellungnahmen in Bezug auf alle relevanten Themen des Missbrauchs.

Ich hoffe auf Ihre baldige Antwort und sende das Scheiben daher mit Rückantwort und vorab via E-Mail.

Mit freundlichen Grüßen