Endlich Salesianer versus UKA

Kirchenfenster

Es ist tatsächlich etwas positives passiert bei den Salesianern

und inoffiziell(ich habe noch keine aktuelle Bestätigung durch den Orden)

ist der Orden seit dem 01.06.2021 dem neuen Verfahren zur Anerkennung des Leids beigetreten.

Endlich – denn lange genug hat es gedauert. Aus unserer Opfer Gruppe haben bisher 3 Opfer einen Brief vom Orden erhalten. In einem Fall wurde der Antrag sofort und ohne weitere Verzögerung an die unabhängige Kommission weitergeleitet. In einem anderen Fall wurde geschrieben, das man jedes Opfer einzeln anschreibt, aber die Weiterleitung zur UKA erst noch abwarten muss, da man angeblich erst alle Opfer anschreiben möchte und dann alles zur UKA sendet. Naja, in meinem Fall habe ich bisher nicht mal eine Benachrichtigung erhalten.

Den Inhalt der einzelnen Schreiben möchte ich hier nicht öffentlich machen, da ich keines der Opfer kompromittieren möchte und auch nicht will, das andere dann darunter leiden müssen.

Nur ist wieder mal deutlich, dass es selbst jetzt kein einheitliches Verfahren gibt.

Man darf gespannt sein, was am Ende passiert und wie lange alle Opfer warten müssen, bis wirklich jeder die Neuigkeit vom Orden erhalten hat. Durch die bisherige Erfahrung macht uns diese Vorgehensweise natürlich misstrauisch und ich habe beim Beauftragten des Ordens nachgefragt. Und wie immer keine Antwort erhalten. Entweder geht ein AB beim Anruf an oder wenn man jemand erreicht, wird mitgeteilt, dass man den Beauftragten informiert. Habe ich getan und dennoch keine Rückmeldung erhalten, nicht mal die Info, das man am Verfahren teilnimmt.

Nun gut, werden wir wie immer mal wieder auf Godot warten, aber zumindest für euch alle die Info – das man generell am Verfahren teilnimmt. Warum nun jedes Opfer individuell abgefertigt wird – kann man nur vermuten. Ich werde mal versuchen, das positiv zu betrachten und versuchen, davon auszugehen, dass es vielleicht so viele Opfer sind – das der Drucker heiß gelaufen ist.

Ich empfehle nunmehr allen Opfern, auch jene, die vor kurzem erst einen Antrag gestellt haben, diesen erneut unter den neuen Bedingungen zu stellen. Die Formulare könnt Ihr auf unserer Seite downloaden!

Wenn man den News glauben darf, die derzeit kursieren, sind bei der UKA ca.1000 Anträge in Warteschleife und man will auch altersbedingt vorziehen, damit gewährleistet wird, dass einige der älteren Opfer das noch miterleben dürfen.

Ansonsten – bei 50-60 Anträge, die die UKA derzeit monatlich bewältigt (sofern sich da nix ändert), wird man wohl mit einer brutalen Wartezeit rechnen dürfen, bis man überhaupt erfährt – was unser Trauma in deren Augen beinhaltet. Laut Presse unterscheidet sich da nicht viel und wie man so im Allgemeinen über Twitter und Hören/Sagen oder Presse hört und liest, ist die Anerkennung eher so ausgefallen, dass man die Unabhängigkeit oder Zusammenarbeit mit der Kirche nur schwer glauben kann.

Deshalb teilt uns gerne mit, welche Erfahrungen Ihr so gemacht habt, denn das Ergebnis der UKA ist so intransparent – weil nicht weiß, was da wirklich gesehen und verhandelt wird. Ich habe bei einem Opfer gestaunt, der mehr als 200-mal von einem Priester vergewaltigt wurde, in einer Einrichtung (Heim) zur Tatzeit lebte und keine Chance hatte zu fliehen oder sich mitzuteilen. Also allem ausgeliefert. Das Ganze lief über Jahre und die UKA hatte Ihm 15.000 Euro dafür gegeben.

Ein Witz möchte man meinen, denn selbst wenn man sich an Gerichtsurteilen mit verhältnismäßig gleichen Inhalten orientiert, wurden bei nur einmaligen Taten Schmerzensgelder von ca. 23.000 Euro definiert.

Auch anderweitig hört man schon erste Aussagen, das die UKA im Prinzip dasselbe macht wie die Kirche selbst und dass bei einer Bearbeitungszeit von weiteren etlichen Monaten.

10 Gutachter sollen es sein, die sich alle 2-mal im Monat treffen, um zu beurteilen, was man den Opfern als Anerkennung bezahlt. Und der Hammer ist, dass die Gutachter alle Pensionäre sind und das quasi als nebenbei Arbeit unvergütet erledigen. Ich meine, Hochachtung vor den Leuten. Aber völlig intransparent und im Moment nicht wirklich gerecht und auch nicht an echten Urteilen angelehnt – jedenfalls wenn man von den möglichen Höchstsummen ausgeht, die in der Rechtsprechung dazu gefallen sind. Denn man darf nicht vergessen, die Entscheidung der UKA ist nicht anfechtbar und man erhält keinerlei Begründung, wie man zu dem Urteil gelangt ist. Und es ist für die Opfer die wirklich letzte Möglichkeit, angemessen für ein zerschossenes Leben entschädigt zu werden. Aus meiner Sicht absolut ungenügend, da man der Öffentlichkeit ja vorgegaukelt hat, dass man hier die Summen höchstmöglich und angemessen an die Opfer abtreten möchte und man sich diesbezüglich an öffentlichen Urteilen orientiert.

Nun, dass wenige an Urteilen, was ich finden konnte ist in vielen Fällen aber wesentlich höher ausgefallen, als von den unglücklichen Opfern zu hören war. Und es wurden bei der Bewertung wohl abstrakte Variationen ausgewählt. Wie die pensionierte Richterin ja schon mal öffentlich erwähnte, sieht sie ja euch ein Unterschied zwischen einmal vergewaltigt und mehrfach vergewaltigt, wobei einfach vergewaltigt ja dann nicht so schlimm ist, wie mehrfach. Vielleicht hätte Sie sich hier mal bei Ihren eigenen Gutachtern in der Aussage beraten lassen sollen.

Irgendwie hat man das Gefühl, das hier Personen ausgesucht wurden, die in Ihrem Dienstleben im Staat wohl auch immer die Interessen des Staates zu vertreten hatten. Nun – wenn man dort eine gewisse Routine im Berufsleben erarbeitet hat, ist es sicher auch schwer – die menschliche Seite oder die Seite des Opfers zu sehen. Und in diesem Fall können wir ja auch nicht von den Gutachtern erwarten, dass Sie sich proforma mal vergewaltigen lasen, schlagen, auspeitschen (was auch immer), damit sie Ihren Sachverstand in dieser Angelegenheit mal mit Ihrem eigenen Meinungsbild bearbeiten können. Hautnah und in der Realität sieht nämlich eine solche Erfahrung ganz anders aus, selbst wenn man im Berufsleben dachte, man hat schon alles gesehen und erlebt.

Es entsteht hier ein Bild, das ähnlich wie bei unserem Lieblingskardinal Wölki -alles Menschliche fehlt, was aber für eine gute Bearbeitung einer solchen Situation von Nöten wäre. Denn die Gutachter haben ziemlich sicher ein gutes Leben führen können, selbstbestimmt und mit einem Auskommen, das auch im Rentenalter ein Polster ist.

Bei der Opferseite sieht das ganz anders aus – denn wenn wir mal die Schreihälse rauslassen, die in den Opfern nur Personen sehen, die sich ungerechterweise bereichern wollen und aus Neid oder welchen Gründen auch immer – generell alles schlecht finden, wenn das Gute nicht nur für sie allein ist, dann erkennt man das gesamte Bild.

Denn die älteren Opfer ab 60 Jahren, sind durch diese Erlebnisse oftmals immer noch so traumatisiert, das Sie weder ein echtes Leben hatten, noch in der Lage waren sich etwas aufzubauen, oder mehr Kliniken und Psychiater gesehen haben, als jeder normale Mensch. Und diese Opfer möchten gerne, das Sie nicht benutzt und kaputt gemacht, die letzten Tage Ihres Lebens als Müll unter der Brücke landen.

Für diese Menschen die ohnehin isoliert in dieser Welt leben, bedeutet das, das sie neben Ihrer kaputten Psyche absolut allein sind. Jüngere Menschen werden das ganz sicher auch verstehen, wenn Sie älter werden und um einen herum alles wegbricht und man im Prinzip auch ebenso gut von der Brücke springen kann. Es ist der schmale Grat von zu viel Angst vor dem Leben und zu viel Angst vor dem Tod.

Das ist etwas, was ein Mensch – der ein normales Leben hatte – nicht nachvollziehen kann.

Sei es drum – warten wir ab, wie es weiter geht mit den Salesianern und wie es weiter geht mit der UKA. Wie immer stehen wir mit Rat zur Verfügung, wenn Sie einen oder auch zwei brauchen. Das Gute ist, als Opfer können wir die Ohnmacht und die Lähmung auch fühlen und spüren. Das schlechte daran ist – wir können das genauso viel oder wenig wir alle Opfer. Aber manchmal ist es einfach schon gut, wenn man jemanden zuhört.