Betroffenen Schicksale

Hier veröffentlichen wir Schicksale von Betroffenen, die uns freundlicherweise die Veröffentlichung ermöglichten. (Noch im Aufbau!)

Die hier aufgeführten Personen wurden in Bezug auf Namen und und Details anonymisiert, damit hier keine Retraumatisierung der Opfer stattfindet oder diese durch Dritte öffentlich belästigt werden. Alle hier aufgeführten Opfer stellen nur einen Bruchteil der Opfer dar, die in den Einrichtungen der Salesianer psychisch oder physisch zerstört wurden. Alle Opfer kämpfen für eine gerechte Anerkennung des Leids, was ihnen derzeit vom Orden der Salesianer bewusst verwehrt wird.

Opfer-Interview aus 2021 (Oliver)



Auszug – Transkript von PatrickMissbrauchsopfer Patrick

Ich kam 1974, kurz vor meinem 10. Lebensjahr, in das Don-Bosco-Heim in Berlin-Wannsee.

An einem Tag sollte sich aber alles ändern. Ich rannte nach dem Frühstück aus dem Eßsaal und rempelte dabei Pater W. an. Verschreckt und ängstlich blieb ich stehen. Ich wusste, dass „rennen“ verboten war. Der Pater sagte mir, das er mich schon seit Tagen beobachtete und mein heutiges Verhalten ein Gespräch verlange, ich solle doch nach der Schule zu ihm kommen.

Ich vergaß es, jedoch passte er mich, nach dem Abendbrot, ab und ich ging mit ihm in sein Arbeitszimmer (in der 1. Gruppe), welches er abschloss. Er meinte streng, das ich keine Regeln beachten würde. Ich war starr vor Angst. Dann verlangte er, dass ich mich zur Strafe ausziehen muss. Als ich dem nicht gleich nachkam, wurde er lauter und zitternd reagierte ich dann.

Als ich nackt vor ihm stand streichelte er mich am ganzen Körper und legte mich dann bauchwärts auf einen Tisch. Ich sah nicht was er tat, spürte jedoch, wie er mit feuchten Fingern an meinem Po herumfummelte. Kurz darauf versuchte er in mich einzudringen, was ihm aber nicht gelang, daraufhin musste ich seinen Penis in den Mund nehmen, während er an mir weiter herum spielte. Er ließ erst ab, als ich seinen Samen geschluckt hatte.

!!Der ganze Bericht von Patrick ist hier zu lesen!!


Opfer Jörg – Detailierte Darstellung folgt

Diese Art von Briefe sind fast die Regel. Wenn es um die Anerkennung nach den neuen Regeln geht, ist diese nicht gegeben, sondern es wird nach eigenen Maßstab bewertet.
Übrigens gab es hier für ein zerstörtes Leben den Betrag von 1000 Euro – Wenn die unabhängige Kommission das bewertet hätte, wäre die Anerkennung wohl um einiges höher ausgefallen.


Opfer Kurt – Opfer von drei Geistlichen und einem Erzieher im Don Bosco Heim.
Was dieser Junge erleben musste, ist fast schon nicht mehr an Brutalität zu überbieten.

Täter

Schwester Jo., Schwester Ber. körperlicher Missprauch.
Pater S. hat mich von 1966 bis einschließlich 1972 ca. 300 sexuell missbraucht.
Pater W. hat mich von 1968 bis ca. 1971 ca. 40 mal sexuell missbraucht.
Pater R. hat mich ca. von 1967 bis 1971  ca. 12 mal körperlich misshandelt.
Herr Wag. hat mich von 1967 bis 1971 ca. 30 mal körperlich misshandelt.

Bitte schildern Sie die Umstände und den Tathergang des sexuellen Missbrauchs möglichst genau. Sofern bereits eine schriftliche Darstellung (z. B. Gesprächsprotokoll, Unterlagen aus kirchlichen oder staatlichen Verfahren) vorliegt, aus dem sich der Tathergang vollständig ergibt oder diese ergänzt, kann hierauf verwiesen werden. Die Darstellung ist dem Antrag in Kopie beizufügen. Sollte Ihnen eine schriftliche Darstellung des Tathergangs nicht möglich sein oder Sie zu sehr belasten, wenden Sie sich bitte an die Ansprechperson.

Schwester Jo. und Schwester Ber. haben regelmäßig körperliche Gewalt auf mich ausgeübt. Ich war 4 Jahre alt, als ich in das St. Josef-Heim kam. Meine Schwester mein Bruder und ich wurden in das Heim eingewiesen, weil unsere Mutter dem Alkohol sehr zusprach und uns verwahrlosen ließ.

Zunächst war ich auf der Kleinkindstation bei Schwester Ber.. Sie zeichnete sich damit aus, das sie für jede “Verfehlung” ihren Rohrstock auf meine Fußsohlen schlug. Verfehlungen konnten sein: Bettnässen, laut weinen, nicht essen wollen oder auch trotziges Verhalten.

Oft konnte ich tagelang nicht laufen. Wenn mich meine Oma oder auch Mutter aus dem Heim holten, wunderten sie sich immer, dass ich nicht laufen wollte.

Mit 6 Jahren kam ich dann auf die Station von Schwester Jo.. Sie schlug uns ständig mit ihrem Rohrstock, den sie immer bei sich trug. Wenn irgendetwas nicht so lief wie sie es sich vorstellte gab es Schläge. Schläge auf die Handflächen, auf den Po (nackten Po) oder sie schlug wahllos auf den Körper ein.

Ihre Lieblingsart einen zu schlagen war, das man sich nackt ausziehen musste und  sie vor allen anderen Kindern auf mich einschlug. Wenn ich mich nicht freiwillig über den Stuhl legte, befahl sie anderen Kindern mich über den Stuhl zu zerren. Dann schlug sie wie besessen auf mich ein. Oft hatte ich blutende Wunden am Po und auf dem Rücken.

Das Josef-Heim galt zur damaligen Zeit als Heim für “schwer erziehbare Kinder”. Ich weiß nicht ob damals (ich war 4 Jahre alt) feststellbar war, dass ich schwer erziehbar bin. Zu damaliger Zeit reichte es wohl schon, dass ich unehelich geboren war.

Pater S. kam regelmäßig nachts in den Schlafsaal und holte sich einen Jungen. Das erste Mal war, als ich erst ein paar Tage im Don-Bosco-Heim (berlin Wannsee) war. Ich kam Ende März 1966 aus dem St.-Josef-Kinder-Heim in Berlin Charlottenburg.

Pater S. sagte mir, dass er mich nochmals sprechen müsse. Ich wunderte mich über die Zeit. Es war nachts um ca. 1.00 Uhr an einem Mittwoch. Ich kann mich deswegen so genau erinnern, weil Mittwochs immer um 6.00 Uhr Gottesdienst war, den an diesem Tag auch noch Pater S. hielt. Er sagte mir ich solle ihn in sein Büro folgen.

Dort fing er an an mich zu streicheln, am Po, im Schritt und an der Brust. Ich bat ihn damit aufzuhören und wehrte mich. Aber er ließ nicht locker und drohte auch noch mit Schläge. Er zog mir die Schlafanzughose runter. Als ich sie hochziehen wollte, gab er mir eine Ohrfeige. Er spielte an meinem Geschlechtsteil. Dann ließ er von mir ab. Drohte aber noch, dass wenn ich jemanden etwas sagen würde, dann würde er schon wissen was er tun müsse. Außerdem wurde mir ja eh keiner glauben.

Dies wiederholte sich von nun an 1 – 2 Tagen in der Woche. Später verstärkte er seine Tätigkeit an mir. Er nahm mein Geschlechtsteil in den Mund und befriedigte sich selbst. Auch steckte er mir einen Finger in den Po oder auch eine Kerze.

Als ich ca. 13 Jahre alt war hatte er mich auch mehrfach anal missbraucht. Mit zunehmendem Alter ließ sein Interesse an mir Gott sei Dank nach.

Wenn er fertig war drohte er immer damit, dass wenn ich was sage, würde mir sowieso keiner glauben. Außerdem wurde damit gedroht, dass ich nicht zu meinen Großeltern am Wochenende darf, wenn ich reden würde. Oder es wurden mir Prügel angedroht.

Pater W. war jemand der sich mehr an ältere Jugendliche hielt. Das erste Mal war es als ich 13 war. Es war Sommer und ich war auf dem Weg zum Strand am Wannsee. Wir hatten dort einen Strand wo überwiegend Kinder und Jugendliche aus dem Don-Bosco-Heim waren.

Als ich auf dem Weg dort hin war, kam mir Pater W. entgegen. Er sprach mich an,  forderte mich auf ihn ins Unterholz zu folgen. Dort hob er seinen Talar. Er hatte keine Hose an. Ich sollte ihm am Geschlechtsteil spielen. Als ich mich weigerte, schlug er mich. Ich musste ihn dann noch oral befriedigen. An diesem Tag ging ich nicht mehr zum Strand. Ich saß noch mehrere Stunden im Unterholz und weinte. Ich fühlte mich so hilflos. Noch heute gehe ich ungern allein durch den Wald. Auch wurde ich von ihm mehrfach im alten Schwimmbad an der Gärtnerei aufgelauert.

Pater R. war der schlimmste Schläger. Hatte der jemanden in der Mangel, endete dies meist mit Aufenthalte in der Krankenstation. Einmal wurde ich von diesem wegen einer Kleinigkeit (ich glaube ich habe mich unflätig über das Essen geäußert) so zusammengeschlagen, dass ich mehrere Tage auf der Krankenstation war. Er schlug mir mit den Fäusten ins Gesicht und trat mir in die Genitalien. Tagelang hatte ich Blut im Urin. Bei ihm hatte man das Gefühl, dass er in einen Blutrausch verfiel. Er konnte nicht aufhören, auch wenn man schon am Boden lag.

Einmal als er mich mal wieder so zusammenschlug musste ihn  ein anderer Erzieher, ich glaube noch zu wissen, dass es Herr Lo. war, von mir wegziehen. Ich wurde ca. 12 Mal von Pater R. zusammengeschlagen. Ich war nicht der Einzige, den Pater R. in die Mangel nahm. Viele andere Kinder waren wegen ihm auf der Krankenstation.

Ein schlimmes Ereignis möchte ich hier noch schildern. Es betrifft meinen Bruder.

Mein Bruder wurde im Lebensmittelgeschäft Gebrüder Manz in Berlin Wannsee beim Ladendiebstahl erwischt. Er wurde mit der Polizei ins Heim zurück gebracht. Mein Bruder war in der Gruppe 2 bei Pater R..

Pater R. sollte ihn an der Pforte abholen. Als die Polizei weg war, schlug er auf ihn ein.

Er hatte mir erzählt, dass Pater R. ihn mehrmals mit den Kopf gegen die Wand geschlagen hat. Faustschläge ins Gesicht und Tritte in die Genitalien. Sein linker Unterarm war gebrochen.

Er wurde nicht ins Krankenhaus gebracht, sondern auf der Krankenstation versorgt. Dort befand er sich 6 Wochen lang. Als er wieder auf die Station kam, war er ein anderer Mensch.

Er hatte nur noch Angst. Wenn er Pater R. sah, fing er an zu schreien und zu weinen.  Er war 14. Er fing an Alkohol zu trinken. Auch mich bat er des öfteren ihm Alkohol zu besorgen. Bei unseren Großeltern entwendete er mehrere Sparschweine um sich dafür Alkohol zu kaufen. Dann fing er auch noch an, Drogen zu konsumieren. Das Geld dafür verdiente er sich auf dem Kinderstrich am Bahnhof Zoo. Mein Bruder ist nie wieder auf die Beine gekommen und hat sich später das Leben genommen.

Herr Wa. war in seiner Brutalität nicht ganz so schlimm wie Pater Roder. Jeden Tag war von 14.00 bis 16.00 Uhr Hausaufgabenzeit im Gruppenraum. Man hatte beim Herrn Wa. das Gefühl er wolle den Kindern die Hausaufgaben ins Hirn prügeln. Wenn man nach seiner Meinung nach etwas nicht schnell genug begriff, schlug er auf einen ein. Da ich damals in der Sonderschule war, hatte ich das Gefühl, dass er mich besonders streng behandelte. Wenn ich mich einmal verschrieben hatte, nahm er mein Heft und riss die Seite raus. Immer wieder, solange bis seiner Meinung nach alles in Ordnung war. Als ich mich einmal wehrte und ich nicht neu anfangen wollte, schlug er mir mit der flachen Hand ins Gesicht, so dass mein Trommelfell platzte. Tagelang hatte ich Schmerzen. Ich wurde zum HNO geschickt, der die Verletzung feststellte.

Einmal waren wir in den großen Ferien auf Reisen in den Schwarzwald. Wir waren dort auf einen Bauernhof untergebracht. Pater S., Herr Wa. und Herr Wo. waren die Begleitpersonen. Die Mutter von Herrn Wa. begleitete die Gruppe als Köchin. Ich verstand mich mit Frau Wa. sehr gut. Einmal erzählte ich ihr wie schlecht ich von Herrn Wa. behandelt werde. Sie muss es dann wohl ihrem Sohn erzählt haben. Das hatte zur Folge, dass ich von Herrn Wa. in den Schweinestall gerufen wurde. Dort schlug er ohne Vorwarnung auf mich ein. Er drückte mein Gesicht immer wieder in den Schweinemist. Nächsten Tag hatte ich am ganzen Körper blaue Flecke. Damit waren für mich die Ferien gelaufen.

Dies sind nur einige Ereignisse. Alle Taten aufzuzählen würde wohl den Rahmen dieses Antrages sprengen.

Mein ganzes Leben lang fühlte ich mich durch diese Ereignisse benachteiligt und beeinträchtigt.


Weitere entsetzliche Fälle folgen (Stand April 2021)

Und der Orden will von all dem nichts gewusst haben??
Es liegen weitere Berichte vor, aber diese müssen erst anonymisiert und für die Webseite aufbereitet werden.